Schülerzahlen: Bald über 700 Grundschulkinder, bis 2030 weniger

 

In den vergangenen Monaten haben wir Grünen mehrfach um Erläuterung der Schülerzahlen-Prognose gebeten. Ausgangspunkt war eine vermeintlich niedrige Geburtenzahl im Jahr 2020 und dennoch konstant bleibende Einschülerzahlen bis 2026. Auch nachdem die Verwaltung die Zahl für 2020 nach oben korrigierte, blieb die Frage nach Ermittlung der Schülerzahlen zunächst unbeantwortet. Erst in der Sozialausschusssitzung am 11.5. gelang der Verwaltung mit überarbeiteten Zahlen eine nachvollziehbare Darstellung. 

Um Einschülerzahlen zu ermitteln, verwendet man die Geburtenzahl der im betreffenden Jahrgang befindlichen Kinder (jeweils 1.10. bis 30.9. des Folgejahres). Für Jahrgänge, die weniger als 5 Jahre von der Einschulung entfernt liegen, nutzt man aktuelle Zahlen der im betreffenden Jahrgang befindlichen Kinder (Daten des Einwohnermeldeamtes). Hinzu kommen aktuelle Schülerzahlen.

Schülerzahlen-Prognose der Gemeinde Zeuthen, Stand 11.5.2021

Quelle: Gemeinde Zeuthen, Sozialausschuss-Sitzung am 11.5.2021

Diese Gemeinde-Zahlen lassen schon erahnen, dass in den nächsten 5 Jahren mit einer deutlich höheren Schülerzahl als 2020/21 zu rechnen ist. Noch vor wenigen Jahren gingen weniger als 600 Kinder in die Grundschule am Wald, in den 1990er und früher Nuller-Jahren waren es unter 500.

Dennoch sind die vorgelegten Zahlen noch immer unzureichend. Ein wesentlicher, nicht berücksichtigter Faktor ist das Saldo aus Zu- und Fortzügen in der Zukunft, also zwischen den aktuellen Daten bis zur Einschulung bzw. bis zur 6.Klasse.

Vor allem bei Kindern zwischen 1 und 6 Jahren war in der Vergangenheit ein überdurchschnittlicher Wanderungsgewinn festszustellen (Bertelsmann Stiftung, siehe https://www.wegweiser-kommune.de/kommunale-berichte/demographiebericht/zeuthen.pdf, Seite 5). Die dort angegebenen absoluten Zahlen decken sich mit eigenen Berechnungen, die mit Daten des Statistischen Informationssystem Berlin-Brandenburg (StaIS-BBB, www.statistik-berlin-brandenburg.de) durchgeführt worden.

Entwicklung Kinder- und Einwohnerbestand über 5 Jahre (Betrachtungszeitraum 2007-18)

Quelle: Statistische Informationssystem Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen

Für eine realistische Prognose der Schülerzahlen müssten solch deutliche Zuwächse fortwährend  einkalkuliert werden. Um diese vereinfachend zu berücksichtigen, wurde nachfolgend nur der Zuwachs bis zur Einschulung berechnet und der mittlere jährliche Zuwachs von 6,3% (gemittelt über 5 Jahre, 2007-2018, siehe Tabelle oben) als Grundlage genommen. 

Vom 6. bis zum
10.Lebensjahr verringern sich die Zuzugsgewinne deutlich (siehe Wegweiser Kommune, Seite 5). Angesichts einer allgemein etwas abflauenden Bevölkerungsentwicklung (zwischen 2015 und 2019 nur noch +0,7%/a statt 1,1%/a zwischen 2007 und 2018) sollte die Gesamtzahl der Schüler auch ohne Berücksichtigung der Zuzugsgewinne bei den 6-10jährigen Kindern nah an der Realtität liegen.

Quelle: www.statistik-berlin-brandenburg.de
 
Ein wichtiger Faktor für die Prognose von Schülerzahlen über 2026 hinaus sind erwartbare Geburtenraten. Diese lassen sich angesichts bekannter Altersverteilungen in der Gesellschaft – üblicherweise dargestellt in Alterspyramiden – ermitteln (siehe Grafik oben für Berlin und Brandenburg). Die Bertelsmann-Stiftung („Wegweiser Kommune“) geht angesichts geringer Geburtenzahlen im Zeitraum 1990-2000 davon aus, dass der Anteil von Elternjahrgängen bis 2025 bzw. 2030 deutlich sinken wird (von 13,3 in 2012 auf 10,5 bzw. 9,8). 

Dies macht sich in der Geburtenrate bemerkbar. Sie sinkt von 8,0 im Jahr 2018 auf prognostizierte 6,1 bzw. 5,9 in 2025 bzw. 2030. Selbst bei steigenden Einwohnerzahlen in der Gemeinde kann in den nächsten Jahren nur mit etwas mehr als 70 Geburten/Jahr gerechnet werden. Damit würden wieder Zahlen erreicht, die für die Jahre 2007-11 typisch waren. Im Zeitraum 2012-2016 hingegen waren es im Mittel 90 Geburten pro Jahr.

Nimmt man diese Daten als Grundlage, kommt man zu einem etwas anderen Schülerzahlen-Szenario: 

Prognose mit jährlichem Zuwachs von 6,3% vom 1. bis 6. Lebensjahr, danach 0%, rot markierte Zahlen mit angenommener Geburtenzahl 72.

Quelle: Datengrundlage Gemeinde, eigene Berechnungen

Berechnungserläuterung: Grundlage bilden die Daten der Gemeinde. In Abhängigkeit von den Jahren bis zur Einschulung wurde entsprechend oft mit dem Faktor 1,063 multipliziert. Beispiel: Für das Schuljahr 23/24 (also in 2 Jahren) kalkuliert die Gemeinde bislang mit 111 Einschülern. Diese Zahl wurde nun 2x mit 1,063 multipliziert = 125. Für die Schuljahre 2026/27ff wurde entsprechend 5x mit dem Faktor 1,063 multipliziert.

Erst ab dem Jahr 2026/27 kann also mit einer minimalen Entspannung gerechnet
werden. Ab 2029 ist wieder mit Zahlen wie zu Beginn des
Jahrzehnts zu rechnen.  

Aber selbst dann, wenn das positive Wanderungssaldo bei Kindern zwischen dem 1. und 6. Lebensjahr in Zukunft nur noch halb so hoch liegt, würde die Zahl der potentiellen Grundschüler auf über 700 steigen.

Prognose mit jährlichem Zuwachs von 3,15% vom 1. bis 6 .Lebensjahr,
danach 0%, rot markierte Zahlen mit angenommener Geburtenzahl 72.

Quelle: Datengrundlage Gemeinde, eigene Berechnungen

Aus diesen Zahlen lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

1. Es braucht sofort eine Übergangslösung, „organisatorische Maßnahmen“ an der GSaW alleine werden den Zuwachs nicht mehr auffangen können. Das Multilfunktionsgebäude und die neue Evangelische Schule kommen selbst bei pünktlicher Fertigstellung in 2023 und 24/25 zu spät.

2. Auch wenn die geplante Waldorfschule nur 10 Kinder pro Jahrgang aus Zeuthen aufnehmen würde, könnte dies schon eine wichtige Entlastung darstellen. Auch hier sollte die Gemeinde – soweit rechtlich möglich und im Sinne der Gleichbehandlung erlaubt – Unterstützung leisten.