Sanierung der Seestraße – Planungen müssen aktualisiert werden

Seestraße in Zeuthen

Die Erneuerung der Fahrbahn und noch vielmehr der Gehwege in der Seestraße ist zwingend erforderlich. Allerdings sind die Planungen des Landesbetriebs Straßenwesen überholt, da sie die aktuellen klimatischen Veränderungen nicht berücksichtigen.

Regenwasserversickerung

In Zeuthen fällt immer weniger Regen. Die Grundwasserstände sinken und der Boden trocknet aus. Die Trinkwasserversorgung ist hierdurch langfristig gefährdet. Bäume und Pflanzen geraten in Trockenstress. Es muss daher das Ziel sein, so viel Regenwasser wie möglich vor Ort versickern zu lassen. Die geplante Ableitung des kostbaren Regenwassers in den Zeuthener See ist nicht mehr zeitgemäß und gefährdet alte und nachgepflanzte Alleebäume. Zur Grundwasserneubildung steht es nicht zur Verfügung. Herr Dr. Ditmar Hunger, Stadt- und Verkehrsplaner mit jahrzehntelanger Erfahrung, hat in seinem Vortrag am 21.09.26 im Bürgerhaus Zeuthen gezeigt, dass die Versickerung vor Ort trotz beengter Platzverhältnisse möglich ist. Der Bau eines Regenwasserkanal ist daher weder sinnvoll noch notwendig. Über die ökologischen Effekte hinaus würde dies laut Dr. Hunger Kosten in Höhe von etwa 1,6 Millionen Euro einsparen. Die alten Linden in der Seestraße haben sich in den letzten 100 Jahren unter günstigeren klimatischen Bedingungen mit Regenwasserversickerung vor Ort entwickeln können. Sollte das Regenwasser wie geplant abgeleitet werden, ist wird die Seestraße keine Allee mehr sein – weder mit den alten noch mit nachgepflanzten neuen Bäumen.

Erhalt der alten Linden

Aktuelle Untersuchungen haben gezeigt, dass Alleebäume meist kaum Wurzeln unter der Fahrbahn bilden und daher sehr viel weniger als angenommen durch die geplanten Baumaßnahmen gefährdet sind. Sowohl die dringend notwendige Erneuerung der Gehwege als auch die Erneuerung der Fahrbahn sind daher ohne Fällung der Bäume möglich. Dies belegen sowohl die Bauvorhaben in der näheren Umgebung (Lindenallee, Fontaneallee, Forstallee) als auch zahlreiche weitere Beispiele sanierter Straßen ohne Baumfällungen aus dem Vortrag von Herrn Dr. Hunger. Durch den Verzicht auf die Fällung der vorhandenen Bäume und die dann nur in geringerem Umfang notwendigen Nachpflanzungen können wiederum mehr als 1 Million Euro eingespart werden. Dieses Geld sollten wir verwenden und um nach der Sanierung der Straße den alten Baumabstand wiederherzustellen. Die Seestraße wurde vor 100 Jahren in einem Abstand von ca. 8 Metern mit Linden bepflanzt. Ursprünglich standen auf der 2,3 Kilometer langen Straße also mehr als 500 Bäume. Die aktuelle Planung des Landesbetriebs Straßenwesen sieht Abstände von 12 bis 15 Metern und teilweise auch nur eine einseitige Baumreihe vor. Für eine Allee mit geschlossenem Kronendach reicht dies auf keinen Fall. Im Zuge der Erneuerung unserer Seestraße sollten daher Lücken im vorhandenen Baumbestand im historischen Abstand mit neuen Alleebäumen bepflanzt werden. Einzelne nach der Baumaßnahme und im Laufe der Zeit absterbende Bäume müssen zur langfristigen Sicherung unserer Allee konsequent nachgepflanzt werden. Nur so lassen sich auf lange Sicht die dauerhafte Beschattung des Straßenraumes sowie die positiven ökologischen und klimatischen Effekte der Allee sichern.

Der Plan des Landesbetriebs Straßenwesen, im Zuge der Erneuerung der Seestraße die alten Bäume komplett zu fällen, hat zu einer erheblichen Polarisierung und zu teilweise sehr emotional und scharf ausgetragenen Debatten geführt. Mit den vorgeschlagenen Planänderungen bekämen wir endlich neue Gehwege und eine neue Fahrbahn ohne tiefgreifende und nicht rückgängig zu machende Veränderungen des Ortsbildes und ohne den Natur- und Klimaschutz zu vernachlässigen. Wir denken, dass es so möglich wäre, die bisherigen Gegensätze zu überwinden und einen maßgeblichen Beitrag zur Befriedung der Debatte und eine positive und nachhaltige Entwicklung Zeuthens zu leisten.

Der Landesbetrieb Straßenwesen hat mitgeteilt, dass die Bauarbeiten 2028 beginnen sollen. Es gibt also ein ausreichendes Zeitfenster, um Anpassungen an der Ausführungsplanung vorzunehmen, ohne die Bauarbeiten zu verzögern. Uns ist bewusst, dass wir als Gemeinde, weder Bürgermeister noch Gemeindevertretung, hier direkte Entscheidungen zu treffen haben. Wir können aber politische Signale setzen.
Wir als grüne Fraktion fordern den Bürgermeister und alle anderen Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter auf, mit uns gemeinsam ein starkes Signal nach Potsdam an den zuständigen Minister und den Landesbetrieb Straßenwesen zu senden, dass wir eine Verbesserung der Planung für Zeuthen fordern. Daher werden wir hierfür einen erweiterten Umweltausschuss einberufen, damit all diese Punkte in der nötigen Tiefe mit der Gemeindevertretung und allen sachkundigen Bürger:innen diskutiert werden können und Herrn Dr. Hunger und den Landesbetrieb Straßenwesen zu dieser Sitzung einladen.
Wir denken, dass es so möglich wäre, die bisherigen Gegensätze zu überwinden und einen maßgeblichen Beitrag zur Befriedung der Debatte und eine positive und nachhaltige Entwicklung Zeuthens zu leisten.

Autor: Holger Pieplow für dien GRÜNE Fraktion in der Zeuthener Gemeindevertretung

Dieser Artikel ist auch im „Am Zeuthener See“ am 07.10.2026 veröffentlicht worden.